Europäische Soziale Absicherung

Das Leben das Du verdienst

„Es klafft eine riesige Lücke zwischen dem Leben, das Du genießen könntest und der Realität in Europa. Unsere Arbeitsregeln und unsere Sozialsysteme zerbrechen an ihrer wichtigsten Aufgabe.“
Chrys Pyak, der Spitzenkandidat der Neue Liberale für die Europawahl bei Die Kolumnisten.

Jedem Menschen ein sicheres Fundament zu geben, das die großen Lebensrisiken abwehrt.  Damit wir voller Tatkraft unsere persönliche Vision vom Glück verwirklichen.

Wirtschaft ist kein Selbstzweck. Sie muss uns Menschen dienen.

Unsere Institutionen sind für die Welt unserer Großeltern optimiert. Wir müssen sie ändern, damit sie in die Welt unserer Kinder passen. Meine Tochter Elisabeth wird kurz nach der Europawahl am 26. Mai geboren. Im Jahr 2064 wird sie so alt sein, wie ich heute. 45 Jahre.

Die Regeln, die wir jetzt schaffen, müssen ihrer Generation eine gute Zukunft ermöglichen, anstatt selbstsüchtig unsere Nostalgie zu füttern. Unsere Kinder verdienen Regeln, die ihnen Hoffnung machen – statt sie zu verbittern.

Elisabeth’s Berufsleben könnte so aussehen:

Sie beendet die Uni. Im Ruhrgebiet und rund um Düsseldorf gibt es gerade wenig Jobs. Aber das macht nichts. Elisabeth hat im Erasmus Jahr in Stockholm studiert. Jetzt beginnt sie dort ihren ersten Job bei einem Mittelständler. Am ersten Arbeitstag ruft sie mich an: „Papa, ich habe meine Sozialversicherungsnummer erhalten.“ Weder sie, noch ihr Arbeitgeber bezahlen Beiträge. Sie werden durch europaweite, allgemeine Steuern finanziert. Ihre Ansprüche errechnen sich aus der Einkommensteuer, die sie zahlt.

Drei Jahre später nimmt Elisabeth die erste Senior Position an. Sie packt die Koffer und zieht nach Paris. Ihre Sozialversicherungsnummer bleibt die Gleiche, sie gilt in ganz Europa. Ihre Ansprüche an Rente und Arbeitslosenversicherung steigen automatisch weiter, mit jedem gezahlten Steuer-Euro. Ihr Vater musste noch Belege aus sechs verschiedenen Sozialsystemen mitschleppen – und das über Jahrzehnte.

Meine Tochter findet einen besonderen Menschen und verliebt sich. Gemeinsam ziehen die Beiden nach Amsterdam. Es ist ein Risiko. Das Startup, das sie einstellt, hat die Chance auf einen Riesenerfolg – aber heute sind die Gehälter winzig. Gleich am ersten Wochenende gibt es ein Unglück. Elisabeth stürzt mit dem Fahrrad so unglücklich, das sie sich die Ecke eines Zahn ausschlägt. Geld für eine anständige Krone hat sie nicht – braucht sie aber auch nicht. Die europäische Krankenversicherung deckt alle Leistungen. So wie zur Zeit Ihres Großvaters. In den 1980ern war das normal. Wenn Bildung als Menschenrecht kostenlos ist – dann die eigene Gesundheit erst Recht.

Apropos Großvater: Es kündigt sich Nachwuchs an. Viele Freunde gratulieren mir: Opa werden ist noch besser als Vater sein. (Du verwöhnst die Kleinen und wenn sie nerven, schickst Du sie zu ihren Eltern.)

Meine Tochter möchte uns Großeltern in der Nähe haben und wir freuen uns. Die junge Familie zieht nach Düsseldorf. Für ihren holländischen Arbeitgeber ist das kein Problem. Die Niederlande waren 2016 die ersten, die ein Recht auf Homeoffice eingeführt haben. Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass die Anwesenheit vor Ort zwingend erforderlich ist. Jetzt gilt dieses Recht auf Homeoffice in ganz Europa. Für Elisabeth’s Boss ist es egal, ob sie am anderen Ende der Stadt arbeitet oder 300 Kilometer entfernt.

Diese Flexibilität macht es Elisabeth leichter, den nächsten Schritt zu wagen: Sie wird selbständig und arbeitet für Klienten in ganz Europa. Die vielen Kontakte die sie in ihrem Berufsleben aufgebaut hat, machen sich jetzt bezahlt. Sie arbeitet weniger, genießt das Leben und verdient trotzdem genug. Um ihre Rente muss sie sich nicht sorgen: Die richtet sich allein nach der Höhe der Steuern die sie gezahlt hat. Auch als Freiberufler.

Auch wir sind dann in Rente. Hoffentlich genießen wir unseren Lebensabend an einem schönen, sonnigen Ort. Lissabon zum Beispiel oder Barcelona. In einer gemeinsamen Europäischen Republik.

Wie verwirklichen wir diese Vision?

Indem wir endlich erkennen: Unsere Lebensqualität steigt, wenn wir einander helfen, statt uns Steine in den Weg zu legen. Unser Leben wird besser, wenn künstliche Barrieren wegfallen, nicht wenn wir Mauern errichten.

Ich bin der Spitzenkandidat der Neue Liberale – Die Sozialliberalen zur Europawahl. Wir setzen uns für eine gemeinsame europäische Republik ein, in der alle Europäer gleiche Rechte genießen – und wir gesamteuropäische Aufgaben gemeinsam bewältigen.

Elisabeth’s Beispiel zeigt: Nirgendwo ist das wichtiger als bei der Arbeitsmarkt und Sozialpolitik. Die Alterung der Gesellschaft macht diese immer teurer, sie nimmt Arbeitnehmern heute das Einkommen, ohne ihnen morgen eine ausreichende Altersicherung zu gewähren. Selbst heute müssen wir viele Krankheitskosten selbst bezahlen, die in den 80ern noch von den Kassen übernommen wurden – obwohl unsere Gesellschaft viel reicher geworden ist.

Drei Dinge können wir tun, um unsere Lebensqualität zu steigern, Jobs zu schaffen und die großen Lebensrisiken wirklich abzusichern.

1. Macht es leichter zu arbeiten!

Das europaweite Recht auf Homeoffice nützt allen: Berufstätige leisten am Meisten, wenn sie so arbeiten können, wie es ihrer Natur entspricht. Programmierer sind oft Nachteulen und schreiben den besten Code, wenn andere schon schlafen. Unternehmer wie ich sind oft am frühen Morgen am produktivsten. Manche lieben Stille. Andere brauchen „Leben in der Bude“ und arbeiten im Coworking-Space.

Sogar Pflegepersonal, Verkäufer und andere Menschen die „vor Ort“ arbeiten, profitieren: Wenn es das Recht auf Homeoffice gibt, verschwindet die Hälfte der Autos von den Straßen. Die Bahn ist endlich nicht mehr überfüllt.

Auch die Arbeitgeber sind glücklich. Gerade in den ländlichen Regionen wird es immer schwieriger Fachkräfte zu finden. Wenige Menschen lassen sich überzeugen, mit Familie und Hund aus München in eine Kleinstadt in Sachsen umzusiedeln. Die Entscheidung dort einen Job anzunehmen, fällt wesentlich leichter, wenn damit kein Umzug verbunden ist. Die Freunde bleiben erhalten, die Kinder müssen sich nicht an eine neue Umgebung gewöhnen. (Umgekehrt wird es leichter sich für ein Haus auf dem Land zu entscheiden, wenn keine stundenlangen Fahrt zum Arbeitsplatz droht. Das entlastet Mieter in den Großstädten.)

Zwei Millionen zusätzlicher Jobs entstehen, wenn es leichter wird überall in Europa zu arbeiten, schätzt das Europäische Parlament. Sogar der Erfolg des Euros hängt davon ab, dass Berufstätige in ganz Europa arbeiten, sagt der Economist.

Mehr kluge Köpfe schaffen mehr

Für zwei Babyboomer die in Rente gehen, gibt es nur einen jungen Menschen der in den Arbeitsmarkt einsteigt. Kinder die nie geboren wurden, können heute keine älteren Arbeitnehmer ersetzen.

Europa benötigt jedes Jahr 500.000 Netto Einwanderer, nur um die Lücke in der Bevölkerung zu schließen. Ich unterstütze seit 2011 internationale Fachkräfte beim Karriereschritt in der EU, insbesondere in Deutschland. Es ist Zeit mit einem großen Mißverständnis aufzuräumen: Niemand steht Schlange, um bei uns zu arbeiten. Die begabtesten Menschen der Welt, können überall arbeiten – sie gehen dorthin wo sich ihnen die besten Karrierechancen bieten, wo das Leben angenehm ist – und wo sie willkommen sind. Deutschland ist das leider nicht. In der weltweiten Expats Insider Studie bewerten internationale Fachkräfte Deutschland Jahr für Jahr als eines der unfreundlichsten Länder der Welt.

Wenn wir gegenüber Einwanderern abweisend sind – wer kommt dann zu uns? Die besten Talente, die überall arbeiten können? Oder nur jene die keine andere Wahlhaben? Wer hochbegabte Menschen anwerben will – der muss sich um sie bemühen.

Das verlangt unter anderem zwei Dinge: Wir müssen alte Tugenden neu entdecken: Zum Beispiel gute Gastgeber zu sein. Und wir müssen es leichter machen, als internationale Fachkraft in ganz Europa zu arbeiten. Darum brauchen wir ein gemeinsames europäisches Visa für Arbeitskräfte.

Tatkraft entsteht durch Seelenfrieden

Wir können Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege- und Rentenabsicherung für alle Bürger Europas finanzieren. Eine Rente von der man leben kann. Eine Krankenversicherung, die wieder alle Kosten trägt – damit man arme Menschen nicht wieder an ihren Zähnen erkennt.

Nicht mehr durch Sozialversicherungen, sondern indem wir z.B. eine Finanztransaktionssteuer einführen und eine Sales Tax auf alle Umsätze von Unternehmen erheben. In anderen Worten: Das Sozialsystem wird durch das gesamte Bruttosozialprodukt garantiert.

Sprechen wir zum Beispiel über die Rente. Genauer: Die staatliche Pension für alle Bürger. Was Beamte für sich selbst schon lange erkannt haben, gilt endlich für jeden: Die sicherste Altersversorgung ist die, welche sich aus dem gesamten Bruttosozialprodukt speist.

Wer an der Börse investiert, weiß: Eine breite Streuung gewährt höhere Sicherheit. Wer in einen ganzen Aktienindex investiert, hat ein kleineres Risiko als jemand der sein Geld in ein einziges Unternehmen steckt.

Genau so funktionieren Pensionen: Der Staat ist ein einzigartiger „Investor“, weil er maximale Diversifizierung ermöglicht: Steuern werden von allen Unternehmen gezahlt. Darum ist die europaweite, steuerfinanzierte Pension sicherer als jede Alternative.

Die Höhe der Pension richtet sich nach den gezahlten Steuern. Wer ehrlich seine Steuern zahlt, profitiert also. Damit niemand unter das Existenzminimum fällt, gibt es ein bedingungsloses Grundeinkommen. In den Niederlanden wird dies für ältere Mitbürger seit Jahrzehnten praktiziert. (Aktuell 1.250 EUR im Monat.)

(Ein weiterer Vorteil: Sozialversicherungen fallen weg. Ein Mindestlohner in Deutschland hätte sofort 250 EUR netto mehr im Monat. Sein Chef würde die gleiche Summe an Lohnnebenkosten sparen. Arbeitsplätze wären sicherer.)

Für uns Deutsche ist diese Regelung besonders wertvoll. Denn wer nutzt die Sozialversicherungen am häufigsten? Nicht Deutsche oder Spanier, sondern ältereMitbürger – egal wo sie leben.

Wer alt ist wird häufiger krank, verliert leichter seinen Job, bezieht Rente und braucht schließlich teure Pflegekräfte. Junge Menschen erwirtschaften all diese Leistungen – egal ob sie in Berlin oder Barcelona leben.

Und bei uns in Deutschland lebt die älteste Bevölkerung. Eine europaweite soziale Absicherung verteilt die riesigen Lasten durch die Babyboomer auf mehr junge Schultern. Es ist in unserem besten Interesse eine europaweite soziale Absicherung einzuführen.

„Karma is a bitch“. Wir Älteren bürden den jungen Menschen riesige Lasten auf. Denn wir sind viele und sie sind wenige. Machen wir es unseren Kindern so leicht wie möglich, für uns zu sorgen – aber vor allem ihre persönliche Vision vom Glück zu verwirklichen.

 

Chris Pyak ist Spitzenkandidat der Neue Liberale – Die Sozialliberalen zur Europawahl. Der Düsseldorfer hat in sechs Ländern gelebt und gearbeitet. Chris hat sich von der Hauptschule zum Studium hochgearbeitet, vom Krankenpflegeschüler zum Unternehmer. Auf seinem Weg gab es immer wieder Menschen, die Chris eine Chance gaben, sich zu beweisen. Daraus hat Chris Pyak gelernt: Niemand ist ein Selfmade-Man. Damit jeder seinen individuellen Lebenstraum verwirklichen kann, müssen wir einander helfen.

Zuerst erschienen bei Die Kolumnisten